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Sahira, eine HipHop-Sängerin aus Berlin, hat ein palästinensisches Herz und stammt aus Berlin


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    Sie sang schon für Bushido und gründete mit "Imanimusic" ihr eigenes Label: Sahira, Berlins erfolgreiche HipHop -Sängerin, hat nun ihr zweites Album fertig produziert. Darauf singt sie von der deutschen Jugend, ihrem Glauben, Palästina und der wahren Liebe. Nimet Seker traf sie in ihrem Studio in Berlin.

    ​​Sahira hat sich eine Musiknote aus Henna an den Knöchel ihres unberingten Ringfingers malen lassen. "Das bedeutet, dass ich mit der Musik verheiratet bin", erklärt sie. Vor kurzem hat sie die Arbeiten an ihrem zweiten Album "Mit reiner Absicht" abgeschlossen.

    Sie zeigt ein Foto von ihrer Mutter im Bühnenkostüm und mit Mikro in der Hand. Einst war sie Sängerin von klassisch-arabischer Musik – für Sahira die schönste Stimme der Welt.

    Sahira gehört zu den bekanntesten HipHop-Musikerinnen Berlins. Im frühen Teeni-Alter sammelte sie erste Bühnenerfahrung und schrieb schon eigene Songs. Das Interesse von Plattenfirmen ließ nicht lange auf sich warten, doch Sahira nahm sich Zeit, um ihre Musik reifen zu lassen und gründete 2005 mit "Imanimusic" ihr eigenes Label.

    "Wenn man ein eigenes Label hat, hat man mehr Freiheiten, und man kann zeigen, dass man eine Persönlichkeit ist", sagt sie. "Ich bin ein trotziger und eigenwilliger Mensch. Sagt man mir: Lauf nach links, dann laufe ich nach rechts. Das ist ein Impuls in mir."

    Deutscher HipHop mit arabischer Seele

    Ihre Musik ist gesangsorientierter HipHop mit Soul-Elementen, die Sprache ist Deutsch, die Seele Arabisch. Ihr unverkennbarer Gesang ist von arabischer Musik beeinflusst und spricht die Sprache der Straße, direkt und offensiv: "Ich bin frei, Schnauze! Kein Zweifel, Berlin mein zu Hause! 'Filistin' ist auch mein zu Hause! Mauer engt ein, Stein für Stein, weißt was ich mein", rappt Sahira auf ihrem ersten Album.

    "Frei Schnauze": Das beschreibt auch treffend die Persönlichkeit der gebürtigen Berlinerin palästinensischer Herkunft. Sahira lebt, was sie singt und sie singt, was sie lebt. Aber es gibt auch eine andere Seite an ihr. Der 11. September war ein Wendepunkt in ihrem Leben:

    "Als die Medien anfingen, sehr schlecht über den Islam zu berichten, habe ich beschlossen, mich mit meiner Religion zu beschäftigen. Wenn ich sage, ich bin Muslima, was heißt das eigentlich? Ist dieser Anschlag im Islam gerechtfertigt? Dann hätte ich nicht Muslim sein können. So habe ich angefangen, den Koran zu lesen. Ich wollte mit Stolz sagen können: Ich bin Muslima."

    "Masha'allah" statt "krass!"

    Bis dahin war Sahira zwar gläubig, hat aber aufgrund persönlicher Vorurteile gegenüber der Religion einen Bogen um alles Islamische gemacht. Jetzt singt sie auf ihren Alben von "Dit Tuch in ihrem Haar" und von der Liebe zu Gott.

    ​​"Spiritualität im HipHop und den muslimischen Rap gab es schon immer, z.B. Brand Nubian in den USA", sagt sie, nur in Deutschland würde man jetzt erst darauf aufmerksam: "Die junge Generation in Deutschland fragt sich: Was ist denn der Islam? Auch in der Musik. Und angesichts der Islamdebatte wird man dazu gezwungen, Farbe zu bekennen."

    Vor allem beobachtet sie bei den Jugendlichen ein größeres Selbstbewusstsein, zum Islam zu stehen, wenn auch anders als die Eltern. Sie selbst habe sich als Teenie ohnehin ganz anders verhalten. "Man hört jetzt öfter 'salamu alaykum' statt 'merhaba', man hört auch mehr 'masha'allah' statt 'krass'! Sie hören zwar auch Gangsta-Rap und machen all den Mist, den Teenies halt so machen, aber sie sind schon anders drauf. Sie sind selbstbewusster, sie gehen nach vorne."

    "Ihtisham" – die weibliche Macht

    Es ist auch dieses junge Publikum, das Sahira bei ihren Auftritten empfängt, vor allem viele Mädchen, für die sie ein Vorbild sein möchte. "Wenn ich nach einem Auftritt von jungen Frauen höre: Mann, man kann ja auch mit einem 'ihtisham' cool sein und rappen, dann sehe ich: Die haben Hoffnung, die haben ein Vorbild. Das macht mich stolz."

    'Ihtisham' heißt nicht Kopftuch, dieses Wort mag Sahira ohnehin nicht. 'Ihtisham' bezieht sich mehr auf das "angezogen sein" – wissend, dass man eine weibliche Macht besitzt, so die HipHopperin: "Ich trag's ja nicht klassisch. Bei mir sieht man hinten die Haare, die Ohrringe und das ganze Drumherum. Und der Hals ist frei." Im HipHop sei es völlig egal, wie man sich kleide, und selbst mit Minirock sei sie schon mal als Moralapostel aufgetreten.

    Sahira ist im gutbürgerlichen Berlin-Wilmersdorf aufgewachsen, unter Deutschen, wohlbehütet. Heute wohnt sie im bunten Stadtteil Wedding, wo vor allem türkische und arabische Muslime eng zusammenleben.

    Dort erlebt sie auch häufig Situationen mit Muslimen, die sie verärgern: "Manche Muslime sagen, dass die Stimme der Frau 'awra (Blöße) ist. Sie interpretieren es so, dass die Frau nicht singen darf. Auch bei meinem Kleidungsstil wissen sie nicht, in welche Schublade sie mich packen sollen."

    "Frauenfeindlichkeit überall im System"

    Anscheinend ist das, was sie repräsentiert, schon ein Missverständnis. Gerade die Muslime sehen an ihr viel Widersprüchliches. Aber die jungen Frauen verstünden ihre Botschaft, und die lautet: "Der Islam wurde mit 'iqra', also lies, eröffnet und das ist die Pflicht von uns allen, besonders uns Frauen. Sonst nehmen wir nur alles hin, sitzen zu Hause, haben 50 Tücher im Haar und sind im Grunde gar nicht glücklich. Bildung ist vor allem ein Recht der Frauen."

    Und was ist mit den Männern? Auf ihrem zweiten Album "Mit reiner Absicht" singt Sahira mit ihrer warmen Stimme eine Hommage an die Liebe, an die Männer, die es ernst meinen: "Du bist so stolz, so rein, so stark, so weich, so wahr, masha'allah'. Es ist mit Dir so vollkommen zu sein, so warm, so klar, 'subhanallah'."

    Ibn Halal heißt der Song. Ibn Halal, das ist der gute Mann, den man heiratet, erklärt sie. Der Mann, mit dem man sein Leben lebt. "Bei uns sagt man: Ibn Halal ist nicht der, der aus dem Fenster, sondern von der Tür reinkommt."

    Und was ist mit den ganzen Kerlen im Gangsta-Rap, wie steht sie zu den sexistischen, Gewalt verherrlichenden Texten? "Das sind für mich keine Gangster, das sind kleine Gauner. Eminem z.B. ist ein lyrisch-krasser Typ, obwohl er teilweise heftige Texte hat. Ich nehme es gar nicht so ernst. Und Frauenfeindlichkeit hast du überall im System."

    Nimet Seker

    © Qantara.de 2008

    Qantara.de

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    Author: Jonathan Clark

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